Wer bin ich? - 3/11

Quelle:  pixabay
Quelle: pixabay

Ich bin geliebt.

Das Erste, was über unsere Identität aus Gottes Sicht greifbar wird, ist dies: Wir sind geliebt. Wir sind unsagbar und völlig unbedingt geliebt. Wenn uns jemand nach unserer Identität fragt … Wenn jemand fragt, wer wir eigentlich sind, dann lautet unsere Antwort: Ich bin jemand, der unendlich geliebt ist: Und das nicht irgendwie und auch nicht von irgendwem. Nein, ich bin unendlich geliebt von Jesus in Person.

 

In der Bibel heißt es (Die Bibel, Römerbrief 5, 8) : Aber Gott hat seine Liebe zu uns dadurch bewiesen, dass Christus für uns starb, als wir noch Sünder waren. 

 

Hier wird unsere Identität beschrieben: Wir sind geliebt. Denn Gott hat seine Liebe ein für alle Mal bewiesen. Und wie hat er das gemacht? Wie und wo hat er seine Liebe ein für alle Mal bewiesen? Hier ist noch einmal das fünfte Kapitel des Römerbriefs. Dort heißt es (Die Bibel, Römerbrief 5, 7 – 8):

 

Nun wird sich kaum jemand finden, der für einen Gerechten stirbt; eher noch würde sich jemand für eine gute Sache opfern. Aber Gott hat seine Liebe zu uns dadurch bewiesen, dass Christus für uns starb, als wir noch Sünder waren.

 

Hier wird die Wirklichkeit beschrieben: Ja, hin und wieder kommt es vor, dass Menschen ihr Leben wagen für andere Menschen: Vielleicht eine Mutter für ihr Kind. Oder ein Sohn für seinen Vater. Oder ein Mann für seine Frau. Solche Beispiele gibt es. Sie sind zwar selten, aber es gibt sie. Manchmal erregen sie auch allgemeines Aufsehen, wenn sie über die Zeitungen, vom Fernsehen oder in den sozialen Medien verbreitet werden. Aber: Die Regel sind solche Vorkommnisse nicht! Im Gegenteil: Wenn es wirklich um Leben oder Tod geht, kommt bei uns Menschen nicht selten ein hässlicher, um nicht zu sagen brutaler Egoismus heraus, der keine Gnade kennt.

 

Lassen Sie mich ein Beispiel erzählen, das sich in meiner Stadt, in Hannover auf dem Klagesmarkt zugetragen hat. Es war während des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1943 während der alliierten Bombenangriffe auf Hannover. Diese Bombardements  liefen meist in der Nacht ab: Zuerst kamen Flugzeuge, die die sogenannten „Christbäume“ abwarfen, Lichtmarkierungen, nach denen die Bomber sich richteten. Und dann kamen die Angriffe selbst.

 

Auf dem Klagesmarkt befand sich nun ein sicherer Tiefbunker, zu dessen Eingang etwa 20 Stufen herunterführten. Eines Nachts, während die Sirenen schon den Voralarm gaben, sammelte sich vor dem Eingang zu diesem Bunker eine Menschenmenge. Sie war so groß, dass nicht alle sofort und zügig in den Bunker hineinkommen konnten. Es entstand Panik, und die Menschen begannen nachzudrängen. Keiner wollte draußen bleiben. Alle wollten hinein, um jeden Preis. Alle wollten leben! Alle! In dieser Situation begannen nun einige Landser (Soldaten) auch noch von oben über der Bunkertür in die drängende Menschenmenge hineinzuspringen. Sie wollten auch noch in den Bunker hinein. Sie wollten auch leben. Es war ihnen egal, was mit den anderen wurde. Sollten die doch selber sehen, wie sie zurechtkamen. Sollten doch die andern verrecken, nur sie, sie selber nicht. Sie wollten übrigbleiben. Sie wollten leben!

 

Es war eine schlimme Situation da draußen vor dem Bunkereingang: Wie die Wölfe rasten die Menschen gegeneinander, jeder kämpfte für sein Leben ... Auf der Strecke blieben zwölf Menschen. Elf von ihnen wurden erdrückt oder totgetrampelt. Der zwölfte, ein zwölfjähriger Junge, wurde stranguliert: Er hatte eine Tasche mit einer Gasmaske um den Hals getragen. Als die Menge zu rasen begann, war diese Tasche irgendwo an jemandem hängengeblieben, und dann mitgerissen worden. Der Junge erstickte qualvoll in einer Menge, die sich gleichgültig an ihm vorüberschob. Keiner sah den Jungen.

 

Es schaudert einen, wenn man sich die Situation vorstellt. Und wer von uns würde schon die Hand dafür ins Feuer legen, dass er sich anders verhalten hätte damals. Aber: So viel wird doch klar: Dass Menschen ihr Leben riskieren für andere, das geschieht selten. Geschehen tut meist das andere, wenn´s um Kopf und Kragen geht: Dass das Wölfische hervorbricht. Das brutal Ichhafte.

 

(Fortsetzung folgt)